Alle mal herhören, ihr Vielredner! Weshalb die besten Führungskräfte andere gern zu Wort kommen lassen
Wann fühlst du dich als Führungskraft wirksamer: wenn du redest oder wenn du zuhörst? Ich tippe mal, dass die meisten das Reden wählen. Expert*in sein, die Lösung wissen, den Ton angeben. All das verbinden die meisten von uns noch immer mit Führung. Wer das Wort hat, hat die Macht. Ist Wortführer*in. Obwohl die Situation in den meisten Jobs längst viel zu komplex ist, um als Führungskraft wirklich zu allem eine Meinung zu haben oder die richtige Richtung zu kennen.
Mittlerweile gibt es unzählige Studien, die zeigen: Wer eine Atmosphäre schafft, in der Mitarbeiter*innen gern den Mund aufmachen, weil sie wissen, dass ihnen wirklich zugehört wird, der kriegt zur Belohnung das beste Team ever. Wenn ich echtes Interesse an den Ideen und Einwänden jeder und jedes Einzelnen habe, dann entsteht unglaublich viel Motivation.
Doch dafür braucht es auch eine Geschäftsführung, die nicht an brillante Vordenker glaubt, sondern an die Fähigkeiten aller Mitarbeiter*innen. Auch deshalb stecken Führungskräfte manchmal noch fest in tradierten Rollenerwartungen. Denn nach oben müssen sie nach wie vor als die Person auftreten, die die Zügel sicher in der Hand hält und die besten Ideen hat. Ich sehe um mich herum viele Frauen und Männer, die liebend gern anders führen wollen, aber Angst davor haben, dann als Führungskraft beim Arbeitgeber an Ansehen zu verlieren.
Ebenso gibt es Unternehmen, an deren Spitze modernes Leadership gewollt ist, die sich aber an der Lehmschicht des Mittelbaus abkämpfen, wo kleine Könige und Königinnen sitzen, die ihr Reich nicht teilen und ihr Herrschaftswissen nicht abgeben wollen.
So oder so – vielleicht dauert das Umdenken noch etwas, aber ich bin überzeugt: Mit Chefinnen und Chefs, die Mitarbeiter*innen mehr fragen und ihnen neugierig zuhören, kommen wir weiter. Und haben vor allem alle mehr Spaß bei der Arbeit.