Wenn der Job nicht mehr passt: das enge berufliche Korsett und seine Folgen

Heute hat mich eine Freundin besucht, die gerade ein Vorstellungsgespräch hinter sich hatte. Sie kam in meine Wohnung und riss sich die gebügelte Bluse vom Leib, schleuderte die Pumps in die Ecke: „Endlich raus aus dem Korsett!“, stöhnte sie. Das Korsett, in das die meisten von uns ihr Ich zwängen. Das wir freiwillig anlegen, um den Erwartungen der Berufswelt zu entsprechen.

Es gibt Halt, dieses Korsett. Es gibt ein gutes Gefühl, mit geschäftig klackernden Absätzen zum Job zu streben, dahin, wo wir gebraucht werden. Menschen, die ihre Arbeit verlieren, fühlen sich ohne dieses Korsett oft wie körperlos. Das ist die Gefahr des Korsetts: Dass wir mit ihm verwachsen, es zu unserer Identität wird. Wir haben uns unmerklich von uns selbst entfernt. Legen wir das Korsett ab, ist da erst mal nur Leere.

Zu mir ins Coaching kommen Frauen und Männer meist vorher. Sie kommen, weil sie eine Art Allergie gegen das Korsett entwickeln, das sie seit Jahren tragen. Es ist zu eng und kneift, es passt nicht mehr zu ihnen, sie haben Ausbruch- und Aufbruchfantasien. Und so bald diese im Coaching konkrete Gestalt annehmen in Form von neuen Zielen, gibt es kein Zurück mehr. Oft wollten sie ursprünglich gar nicht so weit gehen, wie sie dann plötzlich bereit sind zu springen. Dieses Ablegen der bisherigen Job-Identität ist deshalb genauso befreiend wie beängstigend.

Es ähnelt einem Wachstumsschub: Die alten Schuhe passen auf einmal nicht mehr, welche neuen man will, ist aber noch nicht klar. Als Coach mag ich diese labilen Momente sehr, denn in ihnen findet so etwas wie Selbstaktualisierung statt. Ich wünsche mir, viel mehr Leute würden es wagen, sich ihnen auszusetzen.

In einigen Punkten erkennst du dich wieder? Dann frage dich:
Wie entwickele ich mich, wenn ich die nächsten drei Jahre so arbeite?
Mag ich den Menschen, der ich dann bin? Das ist das Schöne: Du kannst selbst entscheiden, ob das für dich okay ist oder ob du beginnen willst, etwas zu verändern.

Jeder Fortschritt findet außerhalb deiner Komfortzone statt
— Michael John Boback
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