„Dafür hast du dir ein Lob verdient“: Fettnäpfchen und fünf Regeln der Wertschätzung für Führungskräfte

Lob ist nicht gleich Anerkennung ist nicht gleich Wertschätzung. So oft bin ich im Job von meinen Vorgesetzten für etwas gelobt worden, das für mich ein Klacks war. Aber die Dinge, für die ich mich echt angestrengt hatte, wurden nicht gesehen oder als selbstverständlich hingenommen. Es hat schon etwas Aberwitziges, wenn man wochenlang ein kompliziertes Projekt mit hakeligen Deadlines jongliert und dann kommt der Chef um die Ecke und bedankt sich für die Erledigung einer Pipifax-Aufgabe. Weiß er überhaupt, wie viel Verantwortung man täglich schultert?

Wenn du eine mehrstöckige Torte gebacken hast, willst du nicht für die Kirsche obendrauf gelobt werden. Dann macht Lob deine Leistung klein. Lob kann schnell rüberkommen wie ein joviales Schulterklopfen von oben herab. „Gut gemacht, Kleine(r)!“ Dessen sollte man sich auch bewusst sein, wenn man selbst ein anderes Teammitglied lobt. In dem Moment schwingt man sich selbst zur Jury über die Handlung des anderen auf. Damit sich echte Wertschätzung ausdrückt, ist das Wichtigste also die viel beschworene Augenhöhe. Und die meint nicht viel anderes als: „Ich sehe dich, ich nehme wahr, was du tust und interessiere mich dafür.“

Und deswegen vermittelt übrigens sogar kritisches Feedback von oben manchmal mehr Wertschätzung als ein Lob, das nichts kostet. Es ist dann die echte Auseinandersetzung mit der Persönlichkeit und dem Einsatz einer Mitarbeiterin oder eines Mitarbeiters. Bei Umfragen geben Arbeitnehmer*innen regelmäßig an, dass sie Wertschätzung am meisten motiviert.


Für mich sind die fünf goldenen Regeln der Wertschätzung:


1.
Ich höre dir zu. Wirklich. Ich will verstehen, was du meinst.
Und ich unterbreche dich nicht.

2.
Ich nehme wahr, wo deine Grenzen liegen. Und ich überschreite sie nicht.

3.
Ich frage dich bei neuen Projekten, an denen du beteiligt bist, nach deiner Meinung.

4.
Ich lobe dich nicht nur situationsbezogen, wenn du gerade etwas Tolles gemacht hast, sondern drücke auch einfach mal so aus, wie schön es ist, dass du zu unserem Team gehörst.

5.
Ich stelle mich hinter dich, wenn etwas mal nicht geklappt hat.

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