„Der Beziehungskompass“: Bestseller-Autor Ulrich Hoffmann und ich haben ein Buch für Paare geschrieben
Eine wichtige Regel, um Konflikte in der Partnerschaft zu deeskalieren, gilt meiner Erfahrung nach auch für den Job: Öfter „wir“ sagen - also nicht: „Du hast da ein Problem“, sondern „Wir haben ein Problem“. Das „Wir“ schlägt sprachlich eine Brücke auf vermintem Gelände.
Es gibt tatsächlich eine Studie zum positiven Effekt des Wörtchens „Wir“. Mein Autorenkollege Ulrich Hoffmann hatte die verrückte Idee, alle wichtigen psychologischen und soziologischen Beziehungsstudien der Welt in einem Buch zu versammeln, ich steuerte Coaching-Tipps und beachtenswerte Paartherapeuten-Ansätze bei. Daraus wurde unser „Beziehungskompass“.
Was macht die Pandemie mit unseren Beziehungen?
Ich finde, es ist das passende Buch zur Corona-Zeit. Denn Corona macht was mit der Liebe: Wohl selten haben Paare so viel Alltag miteinander geteilt wie jetzt. Was, wenn man nun erschrocken entdeckt, wie unterschiedlich das eigene Bedürfnis nach Nähe und Distanz ist?
Wie erobert man Raum für sich, ohne den anderen zu verletzen? Antworten auf diese und andere Fragen finden sich im „Beziehungskompass“. Das Buch ist im Februar 2020 beim EMF-Verlag erschienen, kurz danach kam Corona nach Deutschland. Wer also schon alle Netflix-Serien durch hat, hat jetzt vielleicht Spaß an unserem Buch. Wir zumindest hatten großen Spaß, es zu schreiben. Hier ein kleiner Auszug aus meinen Coaching-Tipps:
7 Tipps für Beziehungs-Krisen:
1.Frage dich: Was für eine Partnerin möchte ich sein?
Und wie soll der andere mich erleben: nachtragend oder großzügig, geifernd oder ruhig, kontrollierend oder vertrauensvoll? Wir können uns nämlich oft, wenn wir etwas Abstand zu uns gewinnen, dazu entscheiden, eine bessere Version unserer Selbst zu sein.
2. Was hat uns als Paar bisher am besten geholfen, mit solchen Situationen umzugehen?
Welche Sätze sollte ich im Streit unbedingt vermeiden?
Wie diskutieren befreundete Paare miteinander? Kann ich daraus etwas für uns lernen?
3. Was würdest du tun, wenn du die volle Verantwortung dafür hättest, dass ihr wieder glücklich miteinander werdet?
Diese Frage ist sehr kraftvoll. Denn du richtest den Fokus mal nur darauf, was du selbst verändern kannst. Ohne in die Denkspirale des “Wenn er nur mal so wäre, dann würde ich ja auch…” zu geraten.
4. Willst du Recht haben oder glücklich sein?
Du glaubst nicht, wie oft ich mit dieser Frage schon verhindert habe, dass die Diskussion über den vollen Mülleimer oder ein vermeintlich falsch eingeräumtes Glas eskaliert. Denke langfristig, das macht dich großzügiger. Pick your fights – für die entscheidenden Momente.
5. Welchen Grund für sein handeln könnte es geben?
Will er mich wirklich ärgern oder macht er die Dinge nur anders als ich?
6. Relativiere deinen Eindruck
Ist er wirklich immer unpünktlich oder nur manchmal? Will sie wirklich immer das letzte Wort haben oder nur in bestimmten Momenten? Versuche, das generalisierende Wort „immer“ möglichst wenig zu verwenden, denn es macht die Tür zu für Veränderung.
7. Bleib gelassen und auf dem Teppich.
Der andere meldet sich nicht, ist nicht zu erreichen oder hat eine schwer zu deutende Nachricht hinterlassen: Steigere dich nicht in Gefühle von Angst und Sorge hinein, sondern versuche, dich selbst zu beruhigen. Du weißt nicht, was los ist, daran kannst du jetzt nichts ändern. Versuche, dir Gutes zu tun. Die Kunst ist, destruktive Gedanken ungenutzt weiterziehen zu lassen. Angeblich haben 95 Prozent unserer Sorgen weder Hand noch Fuß.